Lustiges von der Schmalzmaigl

Aus dem „Bamberger Volksblatt“ vom 4. November 1897 (Original Schreibweise in Mundart)

Von der Schmalzmaigl von Schlappenreuth

Geehrter Herr Rehdachteur!

Bamberg steht im Zeichn der Elektrizität, so denkn gwiß ölla Fremdn, wenn sie vom Bahnhof aus die alt Kaiserstadt betretn. Elektrischa Lichter, a elektrischa Pferdebahn und so viel Telephon-, Telegraphm- und andera Dräht, döß ma mitn Leonidas selig ausrufm möcht’: „desto besser, dann könna unsre Leut im Schattn spaziern gehn.“ Ober die Bamberger selber worn on Oellerheilign elektrisirt, denn sie habn sich um an Platz im Wagn grad so gerissn, als wenns auf der Nürnberger Ausstelling wärn. Do hot ma von schlechtn Zeitn nix net gspannt, und wenns a so fort geht, nochher wurmts mich blos, döß ich ned a Poor Dutzend elektrischa Akazien hob. (Wolltest wohl „Aktien“ sagen, Maigl! D.R.) Anbei ein klaner Knittelvers, der wu mir von an freundlichn Leser nuch zukumma is:

Herbei, herbei um anzuseh’n,
Wie’s jetzo thut in Bamberg geh’n,
Seitdem „elektrisch“ man dort fährt,
Mit „Motorwagen“ flott verkehrt!
Zehntausend am Eröffnungstag
Passirten da den Wagenschlag.
Behend man auf das Trittbrett springt,
Der Nickel dann im Kästchen klingt.
Drei „Linien“ sind in Betrieb,
Ist Vielen hier in Bamberg lieb,
Vom Kaulberg bis fast zum Hauptsmoor
Vom Hain bis hin zum Friedhofthor,
Vom Bahnhof bis zur Spinnerei -
Im Preis ist alles einerlei:
Um einen Nickel fährt man fein
Und schont die Stiefel, schont das Bein.

Wer bisher war nicht gut mobil,
kommt billig und bequem an’s Ziel.
Viel Eisenmasten kerzengrad,
Hoch in den Lüften Draht an Draht,
Und Glockenbimmeln bringt an’s Ohr,
Wenn fährt ein Motorwagen vor.
Wenn dann der Tag zur Nacht sich neigt,
Des Lichtes Farb’ die „Linie“ zeigt.
Der Funke auf den Schienen sprüht,
Man ist zur Großstadt aufgeblüht.
Die Jugend ruft im Jubelton:
„Halloh, da kommt sie wieder schon!“
Und mancher schon gesetzte Mann
Schaut gern sich die „Elektrisch“ an
Und denkt dabei: „S’ist doch nicht ohne,
daß ich in „Großstadt Bamberg“ wohne!



So sahen sie aus, die "Schmalzbäuerinnen" aus dem Bamberger Umland im Jahr 1901, wenn sie auf dem Wochenmarkt am Maxplatz
das Schmalz in Steinguttöpfen feilboten.

Gschaut hob ich, döß ma in Bamberg mit der Straßenbeleuchttoung nuch immer net zufriedn is, sundern mit n Dichterfürstn Göthe ausruft: Licht, mehr Licht und zvor gleich  für 7200 Mark. Do dermit hättens seiner Zeit in Weimar die Oehllämpla a ganz Johr fülln könna. Nürnberg und Münchn habn doch a elektrischa Bahna, ober so hell sinds net wie in Bamberg, von meiner Vaterstadt ganz zu schweign. Wenn ma für dös Geld a Poor Schutzleut mehr anstelln thät, dodermit gewissa Stroßn früh net ausschaua thätn wie öffentliche Bedürfnisanstaltn, wär meiner Ansicht nach gscheider. Nächstns mehr!

Es grüßt herzlich
Ihre Schmalzmaigl

(Aus der Broschüre „Öffentlicher Personennahverkehr in Bamberg“, Stadtwerke Bamberg 1991)


Repro: Jürgen Schraudner, Stadtarchiv
Gezeichnete Aufbruchstimmung: So stellte sich der Karikaturist auf dieser Farblithografie die Eröffnung der Straßenbahn vor:
Die Straßenbahnwaggons werden von einer Menschenmenge gestürmt. Links im Bild sieht man weinende Zugpferde,
die den traurigen Weg zum Schlachthof antreten müssen, weil sie plötzlich überflüssig sind. Echt zum Wiehern...

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